BEWAHREN ERINNERN ZEIGEN

BEWAHREN ERINNERN ZEIGEN – Schenkungen an die Stiftung der EFAK : Europäische Akademie der Kunst und Kultur von Frauen

01.09. – 24.09.2011 in der Inselgalerie Berlin

Leitung: Ilse- Maria Dorfstecher, Dr. Helga Adler unter Mitarbeit von Stefanie Pfeiffer

 

Aus dem Vorwort:

Mit der zweiten Ausstellung Bewahren – Erinnern – Zeigen präsentiert die Stiftung der EFAK – Europäische Akademie der Kunst und Kultur von Frauen eine Auswahl der von Künstlerinnen neu gestifteten Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie, Objektkunst und Plastik. Neben Werken von verstorbenen Künstlerinnen sind Arbeiten von in Deutschland und in anderen europäischen Ländern lebenden Künstlerinnen vom 1. bis 24. September 2011 in der Inselgalerie zu sehen. Mit der Vielfalt ihrer künstlerischen Ausdrucksformen und Themen werden Dialog und Austausch möglich. Wieder einmal beweist die EFAK ihre Lebendigkeit, d.h. die Lebendigkeit ihres Konzepts, Künstlerinnen ein Forum zu schaffen und gleichzeitig das bestehende Archiv mit Kunstobjekten von Frauen zu erweitern.

Die erste Ausstellung 2006 in der Inselgalerie, kurz nach der Gründung der Stiftung Europäische Akademie der Kunst und Kultur von Frauen durch die Vorstandsfrauen, mit vielen Schenkungen an das Archiv der EFAK, wurde zwar allseits gelobt, aber wir wollten mehr: Nicht nur gelobt, sondern auch unterstützt werden (frei nach Lessing). Es ist nach wie vor unsere Absicht, für die Kunst von Frauen ein Haus zu schaffen, einen Ort des Sammelns, des Dialogs, des Austausches und der Forschung, an dem die künstlerischen Leistungen von Frauen in ihrer großen Vielfalt und Kreativität sichtbar gemacht werden, um dadurch weltweiten Austausch zu ermöglichen. Vernetzung ist nicht nur ein Modewort, es ist eine zwingende Notwendigkeit heute. Die Museen Land auf-Land ab sind übervoll und nehmen kaum noch Kunstwerke auf. Auch ermöglicht die Misere der öffentlichen Haushalte selten noch künstlerische Ankäufe. Und wenn doch einmal darunter Arbeiten von Künstlerinnen sind, dann sinnieren diese Werke in den Magazinen vor sich hin, werden kaum hervorgeholt. Wer will da entscheiden, was aufhebenswert ist, was zum Abfall der Geschichte gehört. Immer mehr Künstlerinnen erkennen, dass die ehrenwerte Projekte des gender mainstreaming viel zu kurz greifen, dass mehr Papier mit guten Vorsätzen beschrieben wird, als dass es in der harten Realität zu substanziellen Veränderungen kommt. Zu Beginn ihrer Karriere glauben viele junge Künstlerinnen, dass sie sozusagen keine Quote brauchen, keinen gesell-schaftlichen Schub, bis die Praxis des Kunstmarktes sie eines Besseren belehrt. Viele ältere Künstlerinnen sind längst überzeugt, dass die Realität für sie keinen Lorbeerkranz bereithält. Waren sie alleinstehend, muss sich doch jemand um ihren Nachlass, ihr Gedächtnis kümmern.

Wir haben in den letzten Jahren mehrere Fälle erlebt, in denen der künstlerische Nachlass regelrecht verhökert wurde – in der Hoffnung, später daraus einen finanziellen Gewinn zu erwirtschaften. Nicht jede Künstlerin findet eine Kunstfreundin, eine Tochter oder Mitstreiterin, die den Nachlass engagiert umsorgt und nach Möglichkeiten sucht, ihn zu präsentieren, um das Gedächtnis an eine wichtige Künstlerin wach zu halten oder erst wieder wach zu rufen. Im letzten Moment konnten wir nur einzelne Teile des Nachlasses von Ursula Wolf retten, die ansonsten auf dem Müll gelandet wären.

Gisela Breitling hat viel Kraft für die Idee eines Künstlerinnenarchivs investiert, die die EFAK-Stiftung nun schon mit einigem Erfolg in die Realität umsetzt. Der Vorstand der EFAK hat nicht nur die Stiftung ins Leben gerufen, sondern auch versucht, bei Berliner Politikerinnen und Politikern Gehör zu finden. Das inzwischen schon bedeutende Archiv der EFAK mit den Stiftungswerken von Künstlerinnen ist noch bis Ende 2011 gesichert. Was wird danach? Wir suchen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die uns auch materiell unterstützen.
Dieser Katalog, der nur Dank privater Initiative zustande kam, soll einen kleinen Einblick geben, wie sich das Archiv unter dem Dach der EFAK in den letzten Jahren quantitativ und qualitativ erweitert hat.

Wir freuen uns schon heute auf die 3. Ausstellung von Stiftungswerken.

llse-Maria Dorfstecher

Juli 2011

Katalog